Sie haben also den halben Windsor-Knoten gemeistert? Den einfachen Krawattenknoten, auch Four-in-Hand genannt, ebenso? Schön. Denn damit bleiben nur noch 83 weitere Methoden, eine Krawatte zu binden – zumindest laut der unglaublich umfassenden Erhebung von Thomas Pink und Yong Mao aus dem Jahr 1999 mit dem Titel The 85 Ways to Tie a Tie. Anscheinend gibt es 13 Standardknoten und eine Unmenge subtiler Variationen davon. Nun gut, zumindest 85. Probieren Sie es aus – eine tolle Beschäftigung, wenn einem so richtig langweilig ist.
Zehn weitgehend unbekannte Fakten über Krawatten
Zehn Fakten, über die Sie nachgrübeln können, wenn Sie das nächste Mal nonchalant Ihre Krawatte binden oder Ihr Vatertagsgeschenk auspacken.
- Unglaublich, aber wahr
- Vorhersehbar, aber dennoch beruhigend
Die Krawatte ist offiziell die beliebteste Wahl für ein Vatertagsgeschenk – und das weltweit, gefolgt von der bescheidenen Socke, Spirituosen und Rasierwasser.
- Die Antwort auf eine Geschichtsfrage
Der Vorläufer der modernen Krawatte datiert bis ins alte Ägypten zurück, wo man sich ein rechteckiges Stück Stoff um den Hals band, um seine gesellschaftliche Stellung zu verdeutlichen. Auch die Statuen rund um das Grab des ersten chinesischen Kaisers Shih Huang-Ti aus dem Jahr 209 v. Chr. wurden mit einem Stück Tuch um den Hals aus dem Stein gehauen.
- Der Glanz von Hollywood
Die Schauspielerin Diane Keaton, deren Kleidungsstil sich höflich ausgedrückt als „individuell“ bezeichnen ließe, war fast ausschließlich allein für die Einführung der Krawatte als modisches Statement für Frauen verantwortlich, und zwar durch ihre oscarnominierte Hauptrolle im 1970er Woody-Allen-Klassiker Annie Hall. Die Damenkrawatte – ursprünglich Hotelpersonal und Schulmädchen vorbehalten – wurde durch Keaton zum unkonventionellen, cleveren Accessoire mit einem gewissen Sexappeal. Eine reife Leistung.
- Überraschend, aber nichtsdestotrotz vernünftig
Erinnern Sie sich noch an die ziemlich lächerliche Ansteckkrawatte? Diese Innovation aus den 1920er Jahren ist seit jeher als Utensil für ungeschickte Kinder oder Faulpelze verschrien, hat sich aber dennoch für hunderte von Sicherheitskräften und Polizisten als Geschenk des Himmels erwiesen und sie davor bewahrt, von einem Bösewicht stranguliert zu werden – denn der hatte nach einer erfolgten Attacke nur die Krawatte in der Hand. Eine gerechte Sache.
- Gott schütze Amerika
Die moderne Krawatte hat sich zur Zeit der Industriellen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts entwickelt. Eine üppige Spitzenkrawatte zum Hemd war einfach nicht das Richtige, wenn es bequem sein und sich nicht alle fünf Minuten in Wohlgefallen auflösen sollte – deshalb die langen, schmalen Krawatten, die wir noch heute tragen. Der pfiffige New Yorker Jesse Langsdorf perfektionierte das Design in den 1920ern, indem er den Stoff diagonal zuschnitt und ihn in drei Teilen vernähte, um die Elastizität zu erhöhen. Übrigens ließ der schlaue Kerl seinen Entwurf, der auch heute noch benutzt wird, patentieren.
Interessant, aber absolut unerklärlichEin seltsamer Umstand: Diagonale Streifen in wechselnden Farben haben sich auf der ganzen Welt als beliebtestes Krawattenmuster durchgesetzt. Während sie aber in Großbritannien und Kontinentaleuropa (vom Träger aus gesehen) fast immer von links oben nach rechts unten verlaufen, ist es in Amerika genau andersherum.
- Von Fischen und andere Tieren
Ein Kipper ist eigentlich ein englischer Räucherfisch. Aber vielleicht haben Sie auch schon mal den Begriff „Kipper Tie“ gehört – diese Krawatte hat allerdings nicht wirklich etwas mit den besagten Räucherfischen zu tun. Der Name geht vielmehr auf den Erfinder Michael Fish zurück, einen britischen Modeguru aus den Sixties. Er brachte mit seiner sogenannten „Peacock Revolution“ frischen Wind in die damals ziemlich konservative Modeszene und führte Blumenmuster und das eher kontroverse „Männerkleid“ (das aber nur Mick Jagger und David Bowie getragen haben) in die Herrenmode ein. Die auffälligen Pop-Art-Designs seiner überbreiten Kipper-Krawatten wurden zum Symbol für das neue Freiheitsgefühl dieser Ära.
- Britischer Nationalstolz
Dieses scheinbar so bescheidene Stück Stoff oder Seide ist das wohl wichtigste Symbol für Macht und Ansehen in der Bekleidungstradition der westlichen Kultur. Seit den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts, als sich die Rudermannschaften in Oxford durch ihre Krawatten zu unterscheiden begannen, dient dieses Accessoire als äußeres Zeichen der Zugehörigkeit, sei es zum Militär oder einer Universität, oft auch anhand bestimmter Muster oder Symbole. Bei der Hofreiterei der englischen Königin symbolisieren die dunkelblau und rot gestreiften Regimentskrawatten beispielsweise das blaue Blut der königlichen Familie in Kombination mit dem roten Blut der Soldaten.
Erfreulich zeitgemäßWie das in der Mode eben so ist: Die Fliege – einst skurrilen Individualisten und Sonderlingen in Hollywood-Streifen vorbehalten (siehe Robin Day, Jerry Lewis, Pee Wee Herman) – ist zu einem angesagten Accessoire der Nullerjahre geworden und wird von Größen wie dem Hip-Hop-Megastar Kanye West und Modezar Tom Ford favorisiert. Bleibt abzuwarten, ob auch die Ascot-Krawatte ein solches Comeback erlebt.








